Pressestimmen

Zuckerfee entstaubt den Nussknacker

Kölnische Rundschau vom 24. Januar 2017





Festjubel und ein inniges Wiegenlied

Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Dezember 2016





Uraufführung in Cambridge
Kölner Rundschau vom 27. Mai 2010 (Original Artikel

(...) Denn da erklangen im ehrwürdigen Clare College in Cambridge zwei Motetten von ihm zum ersten Mal. Eigens für den Gottesdienst hatte Harrap die beiden liturgischen Texte „Ave verum Corpus″ und „Veni Creator Spiritus″ vertont - und ist von dem klingenden Ergebnis unter der Stabführung des renommierten musikalischen Leiters des Clare-College-Chors, Tim Brown, äußerst angetan. „Es ist sehr gut gelaufen und angekommen″, freut sich der Kerpener Kantor, der in der Martinuskirche wirkt. Dabei hatten Brown und sein Ensemble zum Einstudieren nur äußerst wenig Zeit gehabt. Der vielbeschäftigte Chorleiter, der auch beim Freiluftfestival Aix en Provence dirigiert, musste in rund drei Stunden 14 weitere Motetten proben. 
Da blieben für Harraps Werke gerade einmal 40 Minuten übrig. Genug für die Profis. Und Harrap zählt sich ausdrücklich nicht zu den Tonsetzern, die bei einer Aufführung den Beteiligten dauernd hereinreden und „rumfummeln″. „Ich finde es schrecklich, wenn einer das macht.″ Stattdessen bot er dem von Zeitnot gebeutelten Brown spontan seine Hilfe an und schrieb am Samstag flugs die Oberstimme für ein anderes Werk - die schöpferische Atmosphäre am College machte es möglich. 

Für die Motette „Veni Creator Spiritus″ hat sich Harrap einen besonderen Kunstgriff einfallen lassen: Parallel zu dem tradierten lateinischen Text, von Harrap als gregorianischer Choral gestaltet, erklingt in vierstimmigem Vokalsatz ein Gedicht des englischen Barockdichters John Donne, „The holy Ghost″ betitelt. „Wüst und witzig″ sei dieser Text, schmunzelt Harrap, denn innerhalb des sakralen Poems setzt Donne auch die früheren „jugendlichen Feuer des Stolzes und der Lust″ in Worte, an die er sich halb verschwendet habe. Warum gerade dieser Epochenmix der Pfingstsequenz „Veni Creator Spritus″ aus dem neunten Jahrhundert mit dem Werk Donnes, der rund 600 Jahre später wirkte? Donne ist der Lieblingsdichter von Chorleiter Tim Brown. Dessen Tage am College gehen nach 31 Jahre dem Ende zu, und so hatte Harrap bei einer früheren Einladung bei dem College-Professor angeregt, den Abschied musikalisch zu gestalten. Dass dies nun bei der Pfingstmesse geschah, habe lediglich den Grund gehabt, dass am Semesterende eine solche Würdigung verpufft wäre, erzählt der Wahl-Kerpener.



„Aus der Tiefe″ uraufgeführt am 21. März 2009
Sonntagspost Bergheim 

„Brass Consort Köln″ in der Kerpener Stiftskirche

KERPEN (ja). Eigens für das ″Brass Consort Köln″ hatte Stephen Harrap, Organist der Kerpener Stiftskirche, ein neues Stück komponiert. In dem Wunsch, dem Blechbläserquintett neue, harmonische Klänge zu entlocken, machte er sich auf die Suche. Oft müsse man erst ″grübeln, um Lichtblicke zu erkennen″, sagte er vor Beginn des Konzerts. Dann begab er sich an die Orgel und spielte gemeinsam mit Peter Mönkediek, Peter Roth (Trompeten), Paul van Zelm (Horn), Fred Deitz (Posaune) und Hans Nickel (Tuba) sein jüngstes Werk. Danach spielten die fünf Mitglieder des WDR-Sinfonieorchesters noch Stücke von Derek Bourgeois, Jan van der Roost, Hendrik Andriessen und Viktor Ewald. Das Konzert des ″Brass Consort Köln″ fand im Rahmen der ″Kerpener Konzertsoirée″ statt und wurde erst zum zweiten Mal überhaupt gespielt. So bekamen die Zuhörer in der besinnlichen Atmosphäre der Kirchengemäuer einen ganz exklusiven Musikgenuss geboten. 


„Musikus″ der Kolpingstadt 
Autor: Gregor Ritter (Kölnische Rundschau, 14. November 2008)

In der Schweiz schuf Stephen Harrap seine neue Komposition

KERPEN. Es fängt ganz harmlos an. Ein traditionelles Menuett wiegt den Hörer in Sicherheit, aus der er einige Takte später jäh durch einen schrägen Akkord herausgerissen wird. Als ″moody″ – also launisch oder schwermütig – charakterisiert Stephen Harrap diese unerwartete Jazz- Harmonie und fährt fort, auf dem Blüthner-Konzertflügel in seinem Wohnzimmer aus seiner neuesten Komposition zu spielen. Sie sei eine ″juxtaposition of opposites″, also ein Nebeneinander von Gegensätzen, in dem an Johann Strauss und Richard Strauß erinnernde Motive mit einer ″surrealistischen″ Hommage an Kurt Weills Mackie-Messer-Song verzahnt würden.

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Seit zehn Jahren bringt 
der britische Komponist und Dirigent 
Stephen Harrap nicht nur die Kerpener 
Stiftskirche zum Klingen. (Foto: Ritter)

″Playing by Numbers″ ist Titel der neuen Schöpfung des Wahl-Kerpeners Harrap, die beim heutigen Musikabend in der Europaschule, Beginn 19.30 Uhr, zu Gehör gebracht wird. Ein Stück, dessen Ursprünge – rein geographisch gesehen – in den Bergen liegen. Als Harrap kürzlich Urlaub in der Schweiz machte, war er häufig schon früh morgens wach. ″Dann kommen die Ideen″, sagt der in Portsmouth gebürtige Dirigent und Komponist, der nach früheren Stationen an der Frankfurter Oper und dem Salzburger Landestheater seit zehn Jahren die musikalische Leitung in der Stiftskirche innehat. Als Kantor mag Harrap seinen Beruf nicht bezeichnen, er bevorzugt ″Musikus″. Harrap hat mit großen Neutönern des 20. Jahrhunderts gewirkt. Vor rund 20 Jahren etwa ging er Karlheinz Stockhausen als Assistent zur Hand, als die Aufführung von ″Donnerstag aus Licht″ in London vorbereitet wurde. ″Karlheinz hat nicht viel gemacht, sondern war eher am Mischpult″, resümiert Harrap lächelnd. Eine langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit verband ihn mit einem anderen berühmten experimentellen Tonsetzer: Luciano Berio. 

Nachdem Harrap als Pianist und Sänger an der Uraufführung von Berios Oper ″Un Re in Ascolto″ beteiligt gewesen war, nahm Berio ihn mit nach Italien, wo Harrap von 1986 bis 1992 als Dirigent arbeitete. Die Sehnsucht, ″wieder normale Opern zu dirigieren″, wie Harrap schildert, führte ihn danach ans Staatstheater Mainz, wo er stellvertretender Generalmusikdirektor und Erster Kapellmeister war. Mit dem Tod seines Vaters kam ein Wendepunkt. ″Ich wollte mehr komponieren, habe mich zurückgezogen″, erzählt der 56-Jährige, der mit damals 42 Jahren ins Kloster Ehrenstein bei Neustadt an der Wied im Westerwald übersiedelte. Bis ihn der ehemalige Dechant des Rhein-Erft-Kreises, Gerhard Dane, bei Kirchenmusikwochen entdeckte und erklärte: ″Stephen, du bist bei mir viel besser aufgehoben.″ 

So wurde Harraps Wirkstätte wieder die Kirche, in der für ihn als Chorknabe im Dom von Portsmouth alles angefangen hatte. Und das, obwohl sein Vater keineswegs Freund der institutionalisierten Religion war. Stets habe der Mitarbeiter des britischen Verteidigungsministeriums gesagt: Er lebe lieber die Menschlichkeit, anstatt sonntags in die Kirche zu gehen. Mit sechs spielte Harrap Klavier und ″sobald die Beine lang genug waren″ Orgel, studierte später Klavier, Dirigieren und Komposition an der Guildhall School of Music and Drama und das Fach Oper am London Opera Centre. Wie lange Stephen Harrap wohl der Kolpingstadt erhalten bleibt, wo er mit einer großen Zahl renommierter Gastmusiker die erfolgreichen Konzertsoireen ins Leben rief. Geht es nach ihm, noch lange. Kerpen sei seine Basis, sagt er. Es sei denn, ihm würde eine Professur für Komposition angeboten – aber die seien äußerst rar. So wird sich der vom Erzbistum entlohnte Musikus neben Konzerten und der Begleitung der Gottesdienste weiterhin der Tonsetzerei widmen und auf seinem das Wohnzimmer dominierenden Konzertflügel ausarbeiten. Nächstes Projekt ist eine Vertonung von Gedichten von Edward Said für die Stiftung Romano Guardini in Berlin. Und dann liegt da noch das Libretto für eine Oper auf seinem Schreibtisch. Titel: ″Philos″. Es gehe um Stationen im Leben eines Menschen – weiteres verrät Harrap nicht. Mehr davon also 2010, wenn das Werk, wie er hofft, vollendet ist. 


Gelungene Gratwanderung
Autor: Dietmar Fratz (Kölnische Rundschau, 24. Juni 2008) Original Artikel

Um einen konzertfähigen Klangkörper zu bilden, haben sich die beiden Chöre ″Canta Coelo″ aus Brüggen und ″Junger Chor Voices″ aus Kerpen anlässlich eines eines Konzerts in der Stiftskirche zusammengetan. 

KERPEN - Die Literatur, die junge Chöre für sich erschließen, stellt üblicherweise eine Gratwanderung zwischen ernster (E-) und Unterhaltungs- (U-) Musik dar. Dem wollte sich die Chorgemeinschaft nicht entziehen und machte die Unterscheidung, die viel zu häufig, wenn auch nicht immer unzutreffend, an der Qualität festgemacht wird, kurzerhand zum Programm. 

So setzte sich das Konzert aus ambitionierten Werken von Komponisten wie John Rutter, Alan Wilson oder Kirby Shaw, aber auch Welthits von Beatles, Simon & Garfunkel oder Queen zusammen. Zur Eröffnung des rein englischsprachigen Konzertes unterstrich Rutters melodiöses ″God be in my head″, dass die Chöre zuerst den geistlichen Auftrag im Kopf haben. Frisch und wendig auch in polyphonen Passagen schwang der Chor sich durchweg sauber, strahlend und freudig zum Lob Gottes auf. Aber auch anklagende Töne fanden die Sänger, als die verstrahlten Kinder von Basra Thema wurden. Hier wurde Chorleiter Stephen Harrap in seiner Hinführung zum Werk bewegend deutlich. Das ″In memoriam″ diente auch als Musik zum Film ″Die verseuchten Kinder von Basra″, und die schroffe, kantige Interpretation durch die Chöre sprach eine klare Sprache. Der raffinierte Chorsound des Genres fußt nicht nur in Pop-Bearbeitungen auf der sogenannten Close Harmony, die ihre markante harmonische Reibung aus dichten Akkordstrukturen und -verbindungen bezieht. Da bedarf es schon intensiver Proben, um diese Tonsprache zu erlernen, die den Geschmack der Zuhörer im voll besetzten Kirchenraum bestens traf. Rutters ″Look at the world″ barg die Finessen dieses Kompositionsstils nicht nur durch die in herrliche Melodie gefasste staunende Freude an der Schöpfung, sondern auch ausdrucksvolle Nachdenklichkeit im harmonisch innigen Schluss.

Nebenbei warb der Chor mit diesem Konzert auch um neue Männerstimmen, die wie so oft Mangelware sind. Die nur vier Männer trugen dennoch vernehmlich zum bis zu fünfstimmigen Gesang bei. Harrap hatte neben dem Dirigat auch das E-Piano zu bedienen. Die Grenzen zwischen A-cappella- und begleitetem Chorgesang gerieten recht fließend, da sich Harrap ohne allzu scharfe Kanten ein- und ausblendete, wann immer der Chor seiner ordnenden Hand bedurfte.

Nostalgisches Wiedererkennen (Stephen Harrap: ″Nicht nur für Sechzigjährige″) und die Freude darüber, dass der Chor die Stimmungen der bekannten Songs gut traf, bescherte die abschließende Pop-Abteilung mit ″Yesterday″, einer bejubelten Fassung der ″Bridge over troubled water″, die als vehement geforderte Zugabe nochmals erklang, und Freddy Mercurys vielschichtigem Meisterwerk ″Bohemian Rhapsody″, das dem Chor viel abverlangte. Da der Chor engagiert bei der Sache war, gelang auch dies erfreulich. 
© by Stephen Harrap · www.stephen-harrap.com