Pressestimmen:


Uraufführung in Cambridge
Kölner Rundschau Original Artikel

Der Kerpener Kantor Stephen Harrap kommt derzeit nur kurz in den eigenen vier Wänden in Kerpen zur Ruhe. Um 4 Uhr sind er und seine Familie aufgestanden, um den Flieger von England nach Köln zu bekommen.

Gestern Cambridge, übermorgen Duisburg, danach Mainz. Stephen Harrap kommt derzeit nur kurz in den eigenen vier Wänden in Kerpen zur Ruhe. Um 4 Uhr sind er und seine Familie aufgestanden, um den Flieger von England nach Köln zu bekommen. Nun ist später Vormittag und Harrap hat noch viel vor. Sein Repertoire für das Konzert in Duisburg muss er üben - drei von ihm komponierte Lieder sowie Variationen über Barbara- und Matrosenlieder wird er im Rahmen der Ruhr 2010 in einem Restaurant darbieten -, und unbedingt möchte er sich die Aufzeichnung des Konzerts vom Pfingstsonntag anhören.

Denn da erklangen im ehrwürdigen Clare College in Cambridge zwei Motetten von ihm zum ersten Mal. Eigens für den Gottesdienst hatte Harrap die beiden liturgischen Texte „Ave verum Corpus″ und „Veni Creator Spiritus″ vertont - und ist von dem klingenden Ergebnis unter der Stabführung des renommierten musikalischen Leiters des Clare-College-Chors, Tim Brown, äußerst angetan. „Es ist sehr gut gelaufen und angekommen″, freut sich der Kerpener Kantor, der in der Martinuskirche wirkt. Dabei hatten Brown und sein Ensemble zum Einstudieren nur äußerst wenig Zeit gehabt. Der vielbeschäftigte Chorleiter, der auch beim Freiluftfestival Aix en Provence dirigiert, musste in rund drei Stunden 14 weitere Motetten proben.
Da blieben für Harraps Werke gerade einmal 40 Minuten übrig. Genug für die Profis. Und Harrap zählt sich ausdrücklich nicht zu den Tonsetzern, die bei einer Aufführung den Beteiligten dauernd hereinreden und „rumfummeln″. „Ich finde es schrecklich, wenn einer das macht.″ Stattdessen bot er dem von Zeitnot gebeutelten Brown spontan seine Hilfe an und schrieb am Samstag flugs die Oberstimme für ein anderes Werk - die schöpferische Atmosphäre am College machte es möglich.

Für die Motette „Veni Creator Spiritus″ hat sich Harrap einen besonderen Kunstgriff einfallen lassen: Parallel zu dem tradierten lateinischen Text, von Harrap als gregorianischer Choral gestaltet, erklingt in vierstimmigem Vokalsatz ein Gedicht des englischen Barockdichters John Donne, „The holy Ghost″ betitelt. „Wüst und witzig″ sei dieser Text, schmunzelt Harrap, denn innerhalb des sakralen Poems setzt Donne auch die früheren „jugendlichen Feuer des Stolzes und der Lust″ in Worte, an die er sich halb verschwendet habe. Warum gerade dieser Epochenmix der Pfingstsequenz „Veni Creator Spritus″ aus dem neunten Jahrhundert mit dem Werk Donnes, der rund 600 Jahre später wirkte? Donne ist der Lieblingsdichter von Chorleiter Tim Brown. Dessen Tage am College gehen nach 31 Jahre dem Ende zu, und so hatte Harrap bei einer früheren Einladung bei dem College-Professor angeregt, den Abschied musikalisch zu gestalten. Dass dies nun bei der Pfingstmesse geschah, habe lediglich den Grund gehabt, dass am Semesterende eine solche Würdigung verpufft wäre, erzählt der Wahl-Kerpener.

Während er in seinem Garten am Stiftsplatz sitzt, hat Harrap noch die ausgedehnten Parkanlagen der britischen Universität vor dem geistigen Auge, in denen sich seine Frau Susann und die Söhne Gaston und Laurence als College-Gäste ergehen konnten. Als eine Inspiration zu seinen Kompositionen empfindet Harrap die Natur allerdings nicht. Ganz in Gegenteil, sie lenke ihn von dieser schöpferischen Arbeit ab. Daher ist für ihn die zweite Sakristei in der Kirche St. Martinus immer noch der liebste Platz, um zu komponieren: kein Telefon, kein Computer, nichts was stören könnte.


Komponist, Dirigent und Sänger
Kölner Stadtanzeiger Original Artikel

Trotz vieler Erkrankungen, die das Konzert torpediert hatten, wurde die ″Kerpener Konzertsoirée″ ein Erfolg mit besinnlicher Stimmung und einem Stephen Harrap, der als Organist, Chordirigent und Komponist allgegenwärtig war.

Kerpen - Stephen Harrap hatte sich viel Mühe gemacht, im Rahmen seiner ″Kerpener Konzertsoiréen″ eine besinnliche Stunde zu gestalten. ″über die Adventszeit hinaus″ solle auf die Parallele zwischen der weihnachtlichen Geschichte und den heutigen Menschen abgestellt werden: wie sie unterwegs sind, suchen, fliehen müssen und gepeinigt oder getötet werden. An das Geschehen um das Jesuskind, Maria und Josef, an die unschuldigen Kinder und Herodes erinnerte Jürgen Mein, der zwischen den Musiknummern Texte verlas. Das Brass Consort Köln, fünf excellente Blechbläser des WDR-Sinfonieorchesters, waren für den instrumentalen Teil zuständig. Mit blitzblanken Klängen eines barocken ″Rondeau″ von Jean Mouret eröffneten sie den Abend, spielten romantisch-innig eine Sarabande von Edvard Grieg und prachtvoll den Contrapunctus I aus Bachs ″Kunst der Fuge″. Handverlesenes Ensemble Der Chor, ein handverlesenes Vokalensemble und Mitglieder von ″The Voices″, steuerte ″Wachet auf ruft und die Stimme″ von Philipp Nicolai und ″O Heiland, reiß die Himmel auf″ im Satz von Brahms bei, sowie ″Meine Seele ist stille zu Gott″ von Moritz Hauptmann (19. Jahrhundert), schön gesungen und dezent von Harrap an der Orgel begleitet. Ein wichtiger Schwerpunkt des Programms waren zwei Darbietungen des kleinen Vokalensembles, ″Kein' Ros' hat solchen Ruhm″ aus Benjamin Brittens ″Ceremony of Carols″ und Peter Cornelius' ″Könige″. Warum dessen freie Bearbeitung von Philipp Nicoalis ″Wie schön leuchtet der Morgenstern″ hier in englischer übersetzung ″Three kings from Persian lands afar″ gesungen wurde, bleibt Harraps Geheimnis: War es ein Tribut an seine Muttersprache und musikalische Sozialisation? Zahlreiche Erkrankungen Die drei Frauen des Vokalensembles bezauberten zudem mit einem Satz ″Maria durch ein Dornwald ging″, gesungen in der Taufkapelle, unter dem stolzen Turm der Kirche. Der rührige Kirchenmusiker hatte, neben der Ansprache, dem Dirigat des Chores und eigenem Orgelspiel, weiteren tragenden Anteil an dem Programm: er war der Komponist mehrerer Werke. Das Bläserconsort schmetterte eine grandiose ″Fanfare für Gabriel″, gefolgt von ″Gabriel heiß ich″ und ″Ave Maria″ für Sopransolo (Eun-Jung Lee), und ″Was suchst du?″, einem Stück, bei dem Stephen Harrap auch noch selbst sang. Zahlreiche Erkrankungen hatten das Konzert torpediert: drei Chorwerke entfielen, und einer der Trompetensolisten musste ersetzt werden. Der vertretende Musiker spielte vom Blatt, was der Dirigent mit Blick auf seine modernen Kompositionen anerkennend mit den Worten kommentierte: ″Ich bin ja nicht so einfach.″


„Aus der Tiefe″ aufgeführt
Sonntagspost Bergheim

„Brass Consort Köln″ in der Kerpener Stiftskirche

KERPEN (ja). Eigens für das ″Brass Consort Köln″ hatte Stephen Harrap, Organist der Kerpener Stiftskirche, ein neues Stück komponiert. In dem Wunsch, dem Blechbläserquintett neue, harmonische Klänge zu entlocken, machte er sich auf die Suche. Oft müsse man erst ″grübeln, um Lichtblicke zu erkennen″, sagte er vor Beginn des Konzerts. Dann begab er sich an die Orgel und spielte gemeinsam mit Peter Mönkediek, Peter Roth (Trompeten), Paul van Zelm (Horn), Fred Deitz (Posaune) und Hans Nickel (Tuba) sein jüngstes Werk. Danach spielten die fünf Mitglieder des WDR-Sinfonieorchesters noch Stücke von Derek Bourgeois, Jan van der Roost, Hendrik Andriessen und Viktor Ewald. Das Konzert des ″Brass Consort Köln″ fand im Rahmen der ″Kerpener Konzertsoirée″ statt und wurde erst zum zweiten Mal überhaupt gespielt. So bekamen die Zuhörer in der besinnlichen Atmosphäre der Kirchengemäuer einen ganz exklusiven Musikgenuss geboten.


„Musikus″ der Kolpingstadt
Autor: Gregor Ritter (Kölnische Rundschau, 14. November 2008)

In der Schweiz schuf Stephen Harrap seine neue Komposition

KERPEN. Es fängt ganz harmlos an. Ein traditionelles Menuett wiegt den Hörer in Sicherheit, aus der er einige Takte später jäh durch einen schrägen Akkord herausgerissen wird. Als ″moody″ – also launisch oder schwermütig – charakterisiert Stephen Harrap diese unerwartete Jazz- Harmonie und fährt fort, auf dem Blüthner-Konzertflügel in seinem Wohnzimmer aus seiner neuesten Komposition zu spielen. Sie sei eine ″juxtaposition of opposites″, also ein Nebeneinander von Gegensätzen, in dem an Johann Strauss und Richard Strauß erinnernde Motive mit einer ″surrealistischen″ Hommage an Kurt Weills Mackie-Messer-Song verzahnt würden.

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Seit zehn Jahren bringt
der britische Komponist und Dirigent
Stephen Harrap nicht nur die Kerpener
Stiftskirche zum Klingen. (Foto: Ritter)
″Playing by Numbers″ ist Titel der neuen Schöpfung des Wahl-Kerpeners Harrap, die beim heutigen Musikabend in der Europaschule, Beginn 19.30 Uhr, zu Gehör gebracht wird. Ein Stück, dessen Ursprünge – rein geographisch gesehen – in den Bergen liegen. Als Harrap kürzlich Urlaub in der Schweiz machte, war er häufig schon früh morgens wach. ″Dann kommen die Ideen″, sagt der in Portsmouth gebürtige Dirigent und Komponist, der nach früheren Stationen an der Frankfurter Oper und dem Salzburger Landestheater seit zehn Jahren die musikalische Leitung in der Stiftskirche innehat. Als Kantor mag Harrap seinen Beruf nicht bezeichnen, er bevorzugt ″Musikus″. Harrap hat mit großen Neutönern des 20. Jahrhunderts gewirkt. Vor rund 20 Jahren etwa ging er Karlheinz Stockhausen als Assistent zur Hand, als die Aufführung von ″Donnerstag aus Licht″ in London vorbereitet wurde. ″Karlheinz hat nicht viel gemacht, sondern war eher am Mischpult″, resümiert Harrap lächelnd. Eine langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit verband ihn mit einem anderen berühmten experimentellen Tonsetzer: Luciano Berio.

Nachdem Harrap als Pianist und Sänger an der Uraufführung von Berios Oper ″Un Re in Ascolto″ beteiligt gewesen war, nahm Berio ihn mit nach Italien, wo Harrap von 1986 bis 1992 als Dirigent arbeitete. Die Sehnsucht, ″wieder normale Opern zu dirigieren″, wie Harrap schildert, führte ihn danach ans Staatstheater Mainz, wo er stellvertretender Generalmusikdirektor und Erster Kapellmeister war. Mit dem Tod seines Vaters kam ein Wendepunkt. ″Ich wollte mehr komponieren, habe mich zurückgezogen″, erzählt der 56-Jährige, der mit damals 42 Jahren ins Kloster Ehrenstein bei Neustadt an der Wied im Westerwald übersiedelte. Bis ihn der ehemalige Dechant des Rhein-Erft-Kreises, Gerhard Dane, bei Kirchenmusikwochen entdeckte und erklärte: ″Stephen, du bist bei mir viel besser aufgehoben.″

So wurde Harraps Wirkstätte wieder die Kirche, in der für ihn als Chorknabe im Dom von Portsmouth alles angefangen hatte. Und das, obwohl sein Vater keineswegs Freund der institutionalisierten Religion war. Stets habe der Mitarbeiter des britischen Verteidigungsministeriums gesagt: Er lebe lieber die Menschlichkeit, anstatt sonntags in die Kirche zu gehen. Mit sechs spielte Harrap Klavier und ″sobald die Beine lang genug waren″ Orgel, studierte später Klavier, Dirigieren und Komposition an der Guildhall School of Music and Drama und das Fach Oper am London Opera Centre. Wie lange Stephen Harrap wohl der Kolpingstadt erhalten bleibt, wo er mit einer großen Zahl renommierter Gastmusiker die erfolgreichen Konzertsoireen ins Leben rief. Geht es nach ihm, noch lange. Kerpen sei seine Basis, sagt er. Es sei denn, ihm würde eine Professur für Komposition angeboten – aber die seien äußerst rar. So wird sich der vom Erzbistum entlohnte Musikus neben Konzerten und der Begleitung der Gottesdienste weiterhin der Tonsetzerei widmen und auf seinem das Wohnzimmer dominierenden Konzertflügel ausarbeiten. Nächstes Projekt ist eine Vertonung von Gedichten von Edward Said für die Stiftung Romano Guardini in Berlin. Und dann liegt da noch das Libretto für eine Oper auf seinem Schreibtisch. Titel: ″Philos″. Es gehe um Stationen im Leben eines Menschen – weiteres verrät Harrap nicht. Mehr davon also 2010, wenn das Werk, wie er hofft, vollendet ist.


Gelungene Gratwanderung
Autor: Dietmar Fratz (Kölnische Rundschau, 24. Juni 2008) Original Artikel

Um einen konzertfähigen Klangkörper zu bilden, haben sich die beiden Chöre ″Canta Coelo″ aus Brüggen und ″Junger Chor Voices″ aus Kerpen anlässlich eines eines Konzerts in der Stiftskirche zusammengetan.

KERPEN - Die Literatur, die junge Chöre für sich erschließen, stellt üblicherweise eine Gratwanderung zwischen ernster (E-) und Unterhaltungs- (U-) Musik dar. Dem wollte sich die Chorgemeinschaft nicht entziehen und machte die Unterscheidung, die viel zu häufig, wenn auch nicht immer unzutreffend, an der Qualität festgemacht wird, kurzerhand zum Programm.

So setzte sich das Konzert aus ambitionierten Werken von Komponisten wie John Rutter, Alan Wilson oder Kirby Shaw, aber auch Welthits von Beatles, Simon & Garfunkel oder Queen zusammen. Zur Eröffnung des rein englischsprachigen Konzertes unterstrich Rutters melodiöses ″God be in my head″, dass die Chöre zuerst den geistlichen Auftrag im Kopf haben. Frisch und wendig auch in polyphonen Passagen schwang der Chor sich durchweg sauber, strahlend und freudig zum Lob Gottes auf. Aber auch anklagende Töne fanden die Sänger, als die verstrahlten Kinder von Basra Thema wurden. Hier wurde Chorleiter Stephen Harrap in seiner Hinführung zum Werk bewegend deutlich. Das ″In memoriam″ diente auch als Musik zum Film ″Die verseuchten Kinder von Basra″, und die schroffe, kantige Interpretation durch die Chöre sprach eine klare Sprache. Der raffinierte Chorsound des Genres fußt nicht nur in Pop-Bearbeitungen auf der sogenannten Close Harmony, die ihre markante harmonische Reibung aus dichten Akkordstrukturen und -verbindungen bezieht. Da bedarf es schon intensiver Proben, um diese Tonsprache zu erlernen, die den Geschmack der Zuhörer im voll besetzten Kirchenraum bestens traf. Rutters ″Look at the world″ barg die Finessen dieses Kompositionsstils nicht nur durch die in herrliche Melodie gefasste staunende Freude an der Schöpfung, sondern auch ausdrucksvolle Nachdenklichkeit im harmonisch innigen Schluss.

Nebenbei warb der Chor mit diesem Konzert auch um neue Männerstimmen, die wie so oft Mangelware sind. Die nur vier Männer trugen dennoch vernehmlich zum bis zu fünfstimmigen Gesang bei. Harrap hatte neben dem Dirigat auch das E-Piano zu bedienen. Die Grenzen zwischen A-cappella- und begleitetem Chorgesang gerieten recht fließend, da sich Harrap ohne allzu scharfe Kanten ein- und ausblendete, wann immer der Chor seiner ordnenden Hand bedurfte.

Nostalgisches Wiedererkennen (Stephen Harrap: ″Nicht nur für Sechzigjährige″) und die Freude darüber, dass der Chor die Stimmungen der bekannten Songs gut traf, bescherte die abschließende Pop-Abteilung mit ″Yesterday″, einer bejubelten Fassung der ″Bridge over troubled water″, die als vehement geforderte Zugabe nochmals erklang, und Freddy Mercurys vielschichtigem Meisterwerk ″Bohemian Rhapsody″, das dem Chor viel abverlangte. Da der Chor engagiert bei der Sache war, gelang auch dies erfreulich.


Orgelromantik in der Stiftskirche
Autor/Foto: Dietmar Fratz (Kölnische Rundschau, 27. Mai 2008)

Kerpener Kantor Stephen Harrap nutzte die Klangfülle des Instrumentes aus
KERPEN. Ein nicht ganz alltägliches Programm hatte Stephen Harrap, Kantor der Kerpener Stiftskirche St. Martinus, für die Konzertsoiree zusammengestellt. Auf "seinem" Instrument, das sich aus mächtiger Hauptorgel und kontrastierend dezenter Chororgel mischt, kennt er sich bestens aus. Für die farbenfrohen Werke der französischen Orgelromantik aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dies auch dringend geboten, da die dynamisch breit angelegten Werke ausgefuchste Registrierungsideen erfordern ...

Im Zentrum des Konzerts stand das Oeuvre von Alexandre Guilmant, dessen mächtiger Marsch op. 59/1 zur Eröffnung mit straffer Vollgriffigkeit zu einer Strahlkraft gelangte, die bis in die Kirchenbänke durchschwang. Daneben gruppierten sich mit einer "Melody", dem "Andante con moto in Es" und einem "Prayer" lyrisch und andächtig, mal prinzipalig, mal flötig intonierte Stücke mit raffinierter Harmonik zu schlichten Melodien um die große Erste Sonate op. 42.

Die nicht allzu üppigen "Aliquoten"- Stimmen der Orgel (das sind die Pfeifenreihen, die durch Umgewichtung der Obertöne für interessante Färbungen sorgen) kombinierte Harrap vor allem in getragenen Passagen zu leuchtender Klangfärbung.

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Stephen Harrap hatte für die Konzertsoiree
in der Kerpener Stiftskirche St. Martinus Musik
der französischen Orgelromantik ausgewählt.
Die vielstimmige Struktur in Harmonie und Melodie blieb dank geschickter Nuancierung der Register der dreimanualigen Schulte-Orgel transparent und bestens nachvollziehbar. Der warme Pastoral-Satz der Sonate mit feiner Hirtenflöte über windhauchig schwebenden Grundstimmen war willkommene Erholung zwischen den imposant brausenden Ecksätzen. So war das Werk, das sowohl horizontal wie vertikal sinfonische Abmessungen aufweist, auch über die lange Distanz nie langweilig.

Beim anschließenden hübschen "Andante con moto in F" setzte Harrap kräftig strahlende Akkord-Lichtpunkte auf das ansonsten heimelig ausgeleuchtete Werk. Mit der Besinnlichkeit war es dann aber wieder vorbei, als mit Boëllmanns Schluss-Toccata aus der "Suite Gothique" und Widors Toccata aus der 5. Orgelsymphonie (als Zugabe) zum Finale mit beliebten Highlights der Orgelliteratur ausholte.

Durchgängiges aufwendiges Laufwerk im Manual zu archaischem Pedalfundament (leider versagte die Pedalkoppel hier kurz den Dienst) komplettierten das enorme Arbeitspensum, das Harrap sich für das Konzert aufs Notenpult gelegt hatte.

Verständlich, dass die Konzentration gegen Ende ein wenig nachließ. Das Publikum hätte aber auf keines der Werke verzichten mögen und spendete verdienten Applaus. Stephen Harrap hatte für die Konzertsoiree in der Kerpener Stiftskirche St. Martinus Musik der französischen Orgelromantik ausgewählt.


Rotierender Neutronenstern
Autor: Dietmar Fratz (Kölnische Rundschau, 29. Oktober 2007) Original Artikel

Wie die Kerpener Stiftskirche verschiedene Baustile in friedlichem Miteinander in sich duldet, so gelang es bei dem Konzert, musikalisch und vor allem zeitlich weit auseinander liegende Musikstile zu einem außergewöhnlichen Treffen zu verbinden.

Kirchenorgel und Synthesizer
KERPEN - Stephen Harrap, Kirchenmusiker an der Stiftskirche, und sein Erftstädter Kollege Donatus Haus hatten alle Werke der Soirée unter Einbeziehung ebenso gotischer Elemente wie moderner Tonsprache mit Synthesizer und Live-Elektronik komponiert beziehungsweise bearbeitet. Gleich zu Beginn maß sich die mächtige 45-Register-Orgel mit dem gotisierenden Prospekt mit dem Synthesizer mit seinen völlig ungotischen Lautsprecherboxen in quadrophoner Anordnung. Vor allem die ostinaten, also wiederkehrenden Figuren waren es, die den zeitlichen Quantensprung mit unruhiger Zeitlosigkeit unterstrichen, aber damit dem Publikum auch Halt verschafften.

Saxophonist Georg Reis reicherte die Mehrdimensionalität noch an, indem er aus verschiedenen Ecken der Kirche spielte. Auch die in Chor- und Hauptwerke geteilte Orgel hinterließ in der akustisch interessanten Kirche einen Hauch von fallenden Dimensionen. Vom rotierenden Neutronenstern berichtete dann auch ein Werk, bei dem nun Haus bei seiner Komposition an der Orgel saß und mit dem hellwachen Saxophonisten ins musikalische Gespräch kam. Ein seltener Anblick war auch die über zwei Meter breite Notenausgabe für die offenbar langen ″Erinnerungen″ von Haus, an der Reis musizierend entlanggehen musste. Altistin Mechthild Kerscher sang in bewegt-beweglicher Klarheit Geistliches und Weltliches, überkrönt von Harraps ″Ode an Maria″. Neben der immer wieder mit Motiven herausstechenden Orgel führte der Dialog mit dem weich und warm intonierten Waldhorn (Kersti Seyb) das mehrsprachige Werk zu Herzen. Das stilistische Treffen wurde hier weiter nachgewürzt durch Live-Elektronik. In mehrtägiger Tüftelarbeit hat Harrap mit J.-M. Sullon von der Musikhochschule Lüttich die Algorhythmen erarbeitet, nach denen die Musik verarbeitet wird. Live nehmen Mikros die Musik auf, diese wird durch eine Umrechnungsformel geschickt und ohne Zeitverlust über Lautsprecher wieder ausgegeben. Beliebtes Ergebnis an diesem Abend waren eiskristallenes Oberton-Rankwerk und nachklappende Kaskaden, die der wallonische Musiker und Wissenschaftler Sullon am Mischpult live erschuf. Ein gedanklich wie musikalisch beeindruckender Vorgang, ebenso wie das ambitionierte Gesamtkonzept. Das experimentelle und dennoch immer wieder konventionelle Konzert hätte überregionale Beachtung mehr als verdient gehabt. Wie für solchen Veranstaltungstypus üblich, blieb es bei den rund 50 Zuhörern; die allerdings waren angerührt und begeistert.


Eine musikalische Versöhnung
Autor/Fotos: Frank-Uwe Orbons (Kölner Stadt Anzeiger, 06. September 2005)

Kerpen - Nach dem Kölner Weltjugendtag, der auch Akzente zum Verhältnis der Religionen setzte, war es Kerpens Kirchenmusiker Stephen Harrap ein Anliegen, die Versöhnung zwischen Abend- und Morgenland auch musikalisch zu vollziehen. Zum Sonntagabendkonzert in der Kerpener Stiftskirche hatte Harrap Musiker aus vier Ländern und mehreren Glaubensrichtungen zusammengebracht, die ein außerordentliches Weltmusikkonzert präsentierten. Die Grenzen zwischen Klassik, Moderne, Folklore, zwischen Ost und West verschwammen in dem abwechslungsreichen Konzertprogramm, das von Orgelpräludien Girolamo Frescobaldis bis hin zu Vertonungen von Texten moderner Sufi-Dichter Persiens reichte.

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Dabei ließ vor allem die iranische Sängerin Maryam Akhondy von sich hören. Ihre persischen Vorträge machten deutlich, dass die vordergründig unterschiedlichen Kulturen doch so manche Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Lamento-Gesang der seit 1986 in Deutschland lebenden Künstlerin erinnert durchaus an die mittelalterliche melismatische Alleluja-Auszierung. Der Austausch der Kulturen, der im spanischen Andalusien zwischen Christen, Juden und Arabern einen Schmelztiegel bildete, lebte in Harraps Interpretation von Enrique Granados "Andalusien" aus den Danzas Espanolas auf. Mit dem amerikanischen Hornisten Jeffrey McGuire und der deutschen Flötistin Petra Kessler stellten sich zwei Bläser vor, die mit den Komponisten Darius Milhaud und Charles Koechlin einige Außenseiter des westlichen Konzertbetriebs ins Rampenlicht stellten. Im Duett mit McGuire konnte man Harrap sogar auf dem Waldhorn hören.

Eigens für das Konzert vertonte Stephen Harrap einen neomystischen Text Ahmad Schamlus. Mit ″Hauptstadt des Durstes″ für Sängerin, Horn, Flöte und Orgel erlebte ein Stück seine Uraufführung, das zwischen sibyllinischen Gesängen, einem Lamento und folkloristischen Anklängen pendelte.


Moses im Modehaus
Autor: Manuel Jennen (Münstersche Zeitung, 9. Juni 2005)

Münsters Stadttheater inszeniert "Die zehn Gebote" an ungewöhnlichen Schauplätzen Münster - Am Freitag, dem 17. Juni, werden zu später Stunde in Münsters Paulus-Dom ungewöhnliche Dinge geschehen. Stimmen, Percussion und Live-Elektronik vereinen sich zu moderner Musik. ″Und wenn es dissonant wird, kommt Moses von hinten und fragt: Ist es nicht genug?″ So der Komponist Stephen Harrap. Sein Oratorium beschließt den Theater-Marathon ″Die zehn Gebote″, mit dem Münsters Städtische Bühnen das Bistumsjubiläum feiern.

An sechs Tagen im Juni lädt das Theater die Zuschauer zu einem ein achtstündigen Rundgang durch die Stadt ein. An ungewöhnlichen Spielorten wie dem Hauptbahnhof, dem Picasso-Museum oder der Apostelkirche werden dabei die göttlichen Gebote des Alten Testaments ″aufgeführt″. Junge Regisseure, Choreografen, Künstler oder Musiker um Oberspielleiter Markus Kopf und Projektleiter Ralf Ebeling gestalten mit den Schauspielern des Stadttheaters 25-minütige Performances. So ist etwa das dritte Gebot ″Du sollst den Feiertag heiligen″ nach Ladenschluss im Modehaus C&A untergekommen: Dort untersucht Choreografin Teresa Rotemberg den Kontrast zwischen Ruhe und Rhythmus des Alltags.

Die Rundgänge starten jeweils um 15 Uhr im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen und enden um 23 Uhr im Dom. Dazwischen werden die Zuschauer in zwei Gruppen durch die Stadt geführt – die Reihenfolge der Gebote entspricht dabei nicht der biblischen. Intendant Wolfgang Quetes versichert, dass es nicht zu anstrengend wird: Bei weiten Strecken gibt es einen Bustransfer. Wer vor acht Stunden Kunst dennoch zurückschreckt, kann auch Karten für zwei halbe Aufführungen an aufeinander folgenden Tagen erwerben.

Mit Freude erwarten die Vertreter des Bistums Münster die Premiere. Sie haben das Projekt engagiert gefördert. Domkapitular Martin Hülskamp lobte die ungewohnte Zusammenarbeit zwischen Bühne und Kirche und zitierte Papst Johannes Paul II.: ″Der Weg der Kirche ist der Mensch.″ Sowohl Kirche als auch Theater wollten nicht in Gewohnheiten erstarren, daher sei der gedankliche Austausch wichtig und anregend.

Prof. Thomas Sternberg, Mitorganisator des Bistumsjubiläums, erinnerte an eine andere Theateraufführung der zehn Gebote: Regisseur Johann Kresnik hatte 2003 in Bremen mit einer Kirchen-Nacktszene im Vorfeld für einen Skandal gesorgt, die Premiere war indes kein großes Ereignis. Sternberg ist überzeugt: ″Die Produktion in Münster wird viel besser.″

Termine: 17., 18., 19. sowie 24., 25., 26. Juni, Karten und Infos unter Tel. (0251) 41467100. www.stadttheater.muenster.de


Gott erscheint als Klang
Autor: Harald Suerland (Westfälische Nachrichten)

Beim Projekt "Die zehn Gebote" arbeiten Bistum und Theater zusammen MüNSTER - Erst am Schluss einer langen Theaterreise, abends um 10 Uhr im Paulusdom, geht es um das erste Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, Du sollst nicht andere Götter neben mir haben. Was die Zuschauer eines Projekts, das Theater und Kirche aus Anlass des Bistumsjubiläums am Freitag nächster Woche aus der Taufe heben werden, vorher erwartet, schildert Intendant Wolfgang Quetes so: Es ist kein Gesamtkunstwerk, sondern verschiedene Projektgruppen bringen ihre Assoziationen ein. Assoziationen zu den Zehn Geboten nämlich, die sich zu einem Rundgang vom Theater durch die Stadt bis zum Dom fügen.

Den Anfang macht eine Auseinandersetzung zum neunten und zehnten Gebot: Sieben Schauspieler erkunden im Kleinen Haus Fragen des Begehrens. Wie alle Teile des Projekts soll diese Aufführung etwa 25 Minuten dauern, und anschließend teilen sich die Zuschauer in zwei Gruppen auf, die an verschiedenen Punkten der Stadt weitere Auseinandersetzungen mit weiteren Geboten erfahren. Gegen 18.45 Uhr gibt es eine gemeinsame Pause mit Imbiss im Graphikmuseum Pablo Picasso, und dann brechen die Gruppen zum zweiten Teil ihrer Reise auf, um sich abends im Dom zu versammeln.

Am Freitag, dem 17. Juni, am darauf folgenden Wochenende sowie eine Woche später, insgesamt sechs Mal also, wird das Projekt zu erleben sein. Wir treiben keine Theologie, wir machen auch nichts Frommes, ergänzt dazu Prälat Martin Hülskamp vom Domkapitel. Vielmehr solle mit den Zehn Geboten auf einen ethischen Grundbestand der Menschen aufmerksam gemacht werden. Theater und Kirche seien ja gleichermaßen bestrebt, ein unreflektiertes Kleben am Text aufzuheben: Das Naheliegende sieht man von den Rändern aus erst richtig.

Wer sich eine Karte für das Projekt kauft, kann entweder die kompletten Stationen an einem Tag besuchen oder seine Reise durch die Zehn Gebote auf einen Samstag und einen Sonntag verteilen. Die Besonderheit ist das nächtliche erste Gebot im Dom: Hier ist auch für andere Zuschauer der Eintritt frei, jeder kann das Musiktheaterstück erleben, das der Komponist Stephen Harrap als Auftragswerk für das Projekt geschaffen hat. Darin schildert er mit Texten des Alten Testaments, wie Moses dem sündigen Treiben der Menschen begegnet Gott ist in diesem Stück nicht als Figur, sondern ausschließlich als Klang präsent.

Wie verschiedene Künstler die Zehn Gebote umsetzen, dürfte spannend sein: So wird das Feiertags-Gebot in der Warenwelt eines Kaufhauses diskutiert, gibt es in der Kulturschiene am Hauptbahnhof Rockmusik zum Gebot Du sollst nicht stehlen ... www.stadttheater.muenster.de
Stephen Harrap · Stiftsstr. 4a · D-50171 Kerpen
Mobil: 0177 / 5271872
Kontakt: Stephen Harrap